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Das Martini - Palais

 
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Das Martini-Palais ist ein dreigeschossiger ehemaliger Wohnungsbau, der erstmals im 15.Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Es befindet sich am Ulrichsplatz 12, am südlichen Ende der Maximilianstraße in Augsburg und wurde in den Jahren 1894 und 1897 auf Wunsch des Eigentümers Viktor Martini durch den Baumeister Jean Keller im Stil des Historismus umgebaut.

 

Was ist ein Palais?

Das Wort Palais stammt ursprünglich vom römischen Hügel "Palatin", einem der sieben Hügel Roms, auf welchem neben dem Palast des Kaiser Augustus besonders vornehme und repräsentative Gebäude ("Palatium") errichtet wurden. Im frühen Mittelalter entstand daraus das Wort «Pfalz», welches einen Herrschersitz und den dafür geeigneten Gebäudekomplex bezeichnete. Eine weitere Ableitung des Wortes stammt vom Wort "Pallas", welches ein repräsentatives Wohngebäude einer Burg bezeichnet. Im Deutschen ("Palast"), Französischen ("Palais") und Italienischen ("Palazzo") können die Begriffe austauschbar verwendet werden.

Unter einem Palais versteht man heute ein dem bürgerlichen Wohnen entstammendes Gebäude, was den Palast deutlich vom Typus "Schloss" abgrenzt, in dem ausschließlich dynastische Familien wohnten. Um dem klassischen französischen "Palais" zu entsprechen, mussten seit dem 17. Jahrhundert unter anderem folgende Kriterien erfüllt werden: Regelmäßige Verteilung der Fenster- und Bogenöffnungen, lange Korridore im Inneren als „Enfiladen“, ein Vorder- und Hinterhaus mit Hof, verbunden mit seitlichen Korridoren, Fassadengliederung durch Simse, Pilaster, Rustikasockel und ein großes Dach mit Gauben. Im 18. Jahrhundert nutzte man die Beletage (=1.Obergeschoss) als vornehme Wohnräume, während die Bediensteten häufig unter dem Dach in der Mansarde wohnten.

In Augsburg finden sich viele dieser Palais-Bauten, die streng genommen nicht dem "Ur-Typus" entsprechen, aber dennoch als Palais wahrgenommen werden. Dazu zählt auch das Martini-Palais.

 

Der Bauherr Viktor Martini

Viktor Martini wurde 1832 in Augsburg geboren.

1864 stieg er als junger Mann in die von seinem Onkel gegründete "Martini & Cie" Färberei und Bleicherei ein und regte 1882 die Erweiterung der Firma um eine Textildruckerei an.

Mit dem Einstig in die Firma schloss er sich in den 1860er Jahren dem "Alpenverein Augsburg" an, der damals als  elitärer Herrenclub galt und in den nur "honorige Männer" zugelassen wurden. 1989 regte Viktor Martini außerdem zusammen mit Heinrich von Buz, dem Generaldirektor der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN), die Gründung der Augsburger Localbahn für den Gütertransport an. Martini hielt dabei den Vorsitz über den Aufsichtsrat.

Des Weiteren wurde Viktor Martini der Titel „Kommerzienrat“ verliehen. Diesen Titel erhielten nur wichtige Persönlichkeiten des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens, welche erhebliche Stiftungen für das Gemeinwohl tätigten. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Martini das prestigeträchtige Haus am Ulrichsplatz als Wohnhaus erwarb.​

1898  starb Viktor Martini.

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Die Baugeschichte

Das erste Mal erwähnt wurde das heutige Martini-Palais zu Beginn des 15.Jahrhundert, als es dem Augsburger Bürger Ulrich Kißinger gehörte. Im Laufe des 16. Jahrhundert wechselten die Besitzer häufig. Über das Anwesen selbst weiß man nur, dass es ursprünglich wohl aus drei einzelnen Liegenschaften bestanden haben muss.

Dies scheint sich im Seldplan von 1520/1521 zu bestätigen. Obwohl die Gebäude hier noch sehr stark vereinfacht und vereinheitlicht dargestellt werden, zeigt sich bereits, dass es einen der Maximilianstraße zugewandten traufständigen Gebäudeteil, ein dem Garten/Hof zugeordnetes Haus, sowie einen verbindenden Gebäudeteil (Abseite) gegeben haben muss.

15./16.Jahrhundert

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Stilistik

Straßenfassade - Neobarock/Neorokoko

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Rundgauben

Schräggiebel & Dachabschluss

Erdgeschossfenster mit Keilsteilmaske

Ornamentik der Fenster im 1.OG

Ornamentik der Fenster im 2.OG

Eingangsportal

 

Das Erbe Jean Kellers - was noch übrig ist...

In der verheerenden Bombennacht am 25.02.1944 wurden große Teile der Augsburger Innenstadt zerstört und auch das Martini-Palais blieb dabei nicht verschont. In einem Bericht über den Zustand der wichtigsten kulturhistorischen Denkmäler geht hervor, dass das Gebäude "ausgebrannt" war, während die "Sicherung der wertvollen Rokokofassade als dringend" beschrieben wird. Wie weitreichend die Beschädigungen im Innenraum tatsächlich waren und was daher noch von Jean Keller erhalten ist, kann jedoch nicht genau ermittelt werden. Zwei Jahre später, im November 1946, wird der derzeitige Bauzustand dann bereits mit «erhalten, keine Gefahr» vermerkt.

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Lydia Strobl, Hochschule Augsburg

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